Die Kompetenzgruppe "Spektroskopie mit Neutronen" befasst sich mit der Untersuchung der strukturellen und dynamischen Eigenschaften von Festkörpern auf mikroskopischer Ebene mittels elastischer und inelastischer Neutronenstreuung. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf der Erforschung der magnetischen Eigenschaften zumeist intermetallischer Verbindungen, d.h. der magnetischen Ordnungsphänomene bzw. magnetischer Anregungen und Fluktuationen, die in Abhängigkeit von Temperatur, äußerem Magnetfeld, chemischer Zusammensetzung oder hydrostatischem Druck untersucht werden.
Unsere Forschung beschäftigt sich mit der magnetischen Ordnung und dem magnetischen Anregungsspektrum stark korrelierter Elektronensysteme (Schwer-Fermion-Systeme) in der Nähe von magnetischen Quantenphasenübergängen. Wegen der Quantenfluktuationen zeigen die kritischen Spinanregungen häufig ein ungewöhnliches Tieftemperaturverhalten. Ihre Dimensionalität wirkt sich direkt auf die thermodynamischen Eigenschaften aus. Obwohl Messungen makroskopischer Eigenschaften wie z.B. Wärmekapazität oder Magnetisierung sehr wichtig für das Studium von Quantenphasenübergängen sind, können nur mikroskopische Sonden Einblicke in die relevanten Wechselwirkungen auf atomarer Ebene liefern. Magnetische Neutronenstreuung im speziellen ist eine ideale Sonde, um die Spindynamik und die magnetische Ordnung in der Nähe von magnetischen Quantenphasenübergängen zu untersuchen. Mittels Neutronenstreuung kann auch direkt die Dimensionalität der kritischen Spinfluktuationen an Quantenphasenübergängen erforscht werden. In letzter Zeit trat das Wechselspiel von Supraleitung und Magnetismus verstärkt in den Mittelpunkt unserer Studien, da einige Verbindungen in der Nähe des Quantenphasenüberganges unkonventionelle Supraleitung aufweisen, mit einem komplexen Wechselspiel zwischen Supraleitung und magnetischer Ordnung. Sowohl Koexistenz als auch Konkurrenz beider Phänomene wird beobachtet. Vor kurzem konnten wir Änderungen im magnetischen Anregungsspektrum eines Cer-basierten Schwer-Fermion-Supraleiters feststellen, wenn dieser supraleitend wird. Das Auftreten einer Spin-Anregungslücke im supraleitenden Zustand deutet darauf hin, daß magnetische Fluktuationen am Paarbildungsprozeß der supraleitenden Cooper-Paare beteiligt sind.